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Ein Lehrer, der Schüler schlägt, ist das Gewalt?


Vom 17. bis 25 Mai fand in Kingston, Jamaika die Internationale Ökumenische Friedenskonvokation mit über 1000 Teilnehmenden aus über 100 Ländern statt. Dieses Treffen war der Abschluss der Dekade zur Überwindung von Gewalt und wollte ermutigende Impulse für die Weiterarbeit geben. Neben Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen gab es auch über 160 Workshops. In einem Workshop wurde das Projekt "Jugendliche werden Friedensstifter/-innen"  gemeinsam mit dem Project "Peacemaker" aus Ghana des Evang. Missionswerk Südwestdeutschland vorgestellt. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es zwischen dem badischen Projekt und dem Ansatz in Ghana? Können diese Ansätze auch in anderen Ländern von Kirchen umgesetzt werden?


Joycelyn Osei Anima (peacemaker Ghana), Monika Lude (EMS Stuttgart) und Stefan Maaß (Friedensstifter Baden) leiteten den Workshop "The Call to Peacemaking - Training Programmes for Young People". Monika Lude begrüßte die 22 Teilnehmenden aus Europa, Asien, Amerika und Afrika.

Die erste Frage lautete: Was ist Gewalt? Diese Frage wurde ganz konkret anhand verschiedener Situationen diskutiert wie z.B. ein Polizist mit Gummiknüppel oder ein Land, das ein Atomkraftwerk an die Grenze eines anderen Landes baut oder ein Direktor eines Chemiekonzerns, der seinen Arbeitern keine Schutzmasken gibt. Entsprechend dem Ziel dieser Übung kam es zu intensiven Diskussionen. Der unterschiedliche kulturelle Kontext wurde deutlich, als plötzlich die Bemerkung fiel: Ein Lehrer, der Schüler schlägt, erzieht die Kinder und übt keine Gewalt aus. Dieses Beispiel verdeutlichte, wie wichtig es ist, sich über Gewalt (violence) zu verständigen und eine gemeinsame Definition zu finden.

Im nächsten Teil wurde dann die Übung "Eingreifen in Gewaltsituationen" vorgestellt.  Zwei Teilnehmerinnen spielten mit den Bataka-Schlägern eine gewalttätige Auseinandersetzung und die anderen hatten die Möglichkeit konkrete Ideen auszuprobieren, um die Gewalt zu beenden. Auch hier zeigten sich kulturelle Unterschiede. Während in Deutschland es bei Jugendlichen manchmal Hemmungen gibt, diese Übung mit einem Erwachsenen durchzuführen, war für afrikanische Teilnehmende klar, dass es gar nicht gehen würde, diese Übung z.B. mit dem Pfarrer zu machen. Es war für sie eine Frage des Respekts.

Joycelyn Osei Anima leitete anschließend eine Übung aus dem ghanaischen Peacemakerprogramm an. Die Teilnehmenden erhielten die sogenannten Kippbilder und wurden gefragt, was sie sehen. Mit dieser Übung werden Jugendliche für die unterschiedlichen Realitäten und Sichtweisen sensibilisiert. Die Akzeptanz der unterschiedlichen Wahrnehmung bildet die Basis für die konstruktive Konfliktbearbeitung. Joycelyn Osei Anima erzählte, dass gerade in Zeiten von Wahlen, die politischen Parteien versuchen, Jugendlichen über Feindbilder zu mobilisieren und hier leistet das Programm durch diese Sensibilisierung der Jugendlichen einen sehr wertvollen Beitrag. Das ghanaische Programm setzt stärker auf konstruktive Konfliktberabeitung als auf Gewaltprävention. So könnten sich die beiden Programme auch gut ergänzen.

Am Ende des Workshops waren die Teilnehmenden von beiden Modellen angetan und viele hätten gerne noch mehr Zeit gehabt, um weiere Übungen kennenzulernen. Sie hatten Interesse, diese auch in ihrem Kontext anzuwenden.  Dies bedeutet, dass das Konzept des deutschen Friedensstifterprogramms nun ins Englische übersetzt werden muß.